Mein erster Marathon !

Mein erster Marathon nach nur vier Wochen Vorlaufzeit

Zum Metier und Alltag eines Personal Trainers gehört es, sich körperlich fit zu halten. Dazu nutze ich vielfältige Möglichkeiten sowohl indoor als auch outdoor. Morgens beispielsweise drehe ich zusammen mit unserem Mops Hugo die ersten Runden über fünf Kilometer durch die Parks hier im oberbayerischen Fürstenfeldbruck. Als Lauftrainer bevorzuge ich das Laufen eher regenerativ. Neulich, als beim Berlin-Marathon der bisherige Weltrekord geknackt wurde, besuchte ich gerade meine Schwester. Die TV-Übertragung mit Laufstrecke und Zieleinlauf stimmte mich als Lauftrainer geradezu euphorisch. Wow, was für eine Leistung!

In diesem Moment war mir klar, dass ich als begeisterter Läufer und Lauftrainer den nächsten Marathon mitlaufen würde. Gesagt, getan. Der Sieger in Berlin war noch nicht ganz im Ziel, als ich schon online meine Meldung für den München-Marathon abgab. Das war mehr als ambitioniert; blieben mir doch nur knapp vier Wochen, um mich auf den Event vorzubereiten, der seit Jahren am zweiten Oktoberwochenende veranstaltet wird. Fürstenfeldbruck liegt je nach Fahrtroute zwischen 30 und 50 Kilometer nordwestlich von München.

Meine Vorbereitungsphase verlief insgesamt gut und optimistisch; schließlich bringe ich als fitter Personal Trainer sowie als Lauftrainer einige Voraussetzungen mit. Zu denen gehört das regelmäßige Krafttraining. Auch mit dem Steigern meiner täglichen Läufe auf den ausgewiesenen Laufstrecken hier in Fürstenfeldbruck hatte ich keine Probleme. Ein willkommener Nebeneffekt war noch die spürbare Reduzierung meines Körpergewichtes. Damit habe ich eine deutliche Stressbelastung von Hüften, Knien und Sprunggelenken genommen. Meine Ehefrau, ebenfalls erfahrener Lauftrainer, gab mir noch manch guten Tipp. Mit der Kombination aus
• mehrjährigem regelmäßigem Krafttraining
• regelmäßigem Laufen
• Engpassdehnungen, damit die Gelenke freiwerden und eine längere Belastung gut aushalten
war ich nach der doch relativ kurzen Vorbereitungszeit auf den Marathon bestens vorbereitet.

Gestern war der große Tag, und nach der Rückkehr von München nach Fürstenfeldbruck bin ich heute, einen Tag später damit beschäftigt, mich zu sammeln und das Ereignis zu verarbeiten.

• Unmittelbar nach dem Lauf habe ich mich noch gut bis passabel gefühlt
• Das änderte sich innerhalb der nächsten zwei bis drei Stunden
• Wie man so sagt, war ich dann total darnieder
• Ich fühlte mich körperlich und mental leer bis ausgepumpt mit Muskel- und mit Gelenkschmerzen
• Bei Nacht kamen noch Muskelkrämpfe und Kopfschmerzen dazu
• Heute geht es mir schon deutlich besser, abgesehen von einem spürbaren Rest an muskulären Schmerzen

Und wie war der Lauf selbst?
Der Start unter Zigtausenden von Teilnehmern war einfach super; ein wirklich euphorisches Gefühl mit einem gewaltigen Schuss Adrenalin in den Adern. Die ersten 15 bis 20 Kilometer waren kein Problem. Ich bin sie relativ langsam angegangen und fühlte mich gut. Das änderte sich spürbar ab etwa Kilometer 30. Meine Beine wurden zunehmend schwerer, Hüften und Knie begannen zu schmerzen. Die letzten 10 bis 12 Kilometer waren dann eine reine Tortur. Mein Körper wollte nicht mehr, nur der Kopf hat mich dazu motiviert, durchzuhalten und ins Ziel zu kommen. Dieses einzigartige Erlebnis wollte ich nicht vorzeitig aufgeben, sondern mich mit dem Zieleinlauf in das Olympiastadion belohnen. Ansonsten wäre alles umsonst gewesen.

Jetzt, 24h später kann ich
• mit Fug und Recht sagen, dass ich meinen ersten Marathon gelaufen bin
• als Personal Trainer mitreden und meine eigene Erfahrungen einbringen

Mein Resümee
zum Marathonlauf als der mit 42,195 Kilometer längsten olympischen Laufdisziplin in der Leichtathletik fällt so aus, dass ich als Lauftrainer und als Personal Trainer niemanden auf dieses Ziel hin trainieren werde. Laufen und das Motivieren dazu ist OK, Marathontraining hingegen für mich ein No-Go. Wir Lauftrainer hier im Landkreis Fürstenfeldbruck trainieren die Muskeln und Gelenke für ein „gesundendes Laufen“. Marathon hingegen ist Hochleistungssport pur; der gesamte Körper mit Herzkreislaufsystem, mit Bändern, Knochen, Knorpelmuskeln und Sehnen wird über Stunden hinweg auf Hochtouren gefordert.

Wir Personal Trainer sind keine Maschinen oder Leistungssportler, sondern auf körperlich Fitness trainiert und fixiert. Wir wollen Ihre Gesundheit fördern und nicht strapazieren oder gar ruinieren. Mir ging es bei meinem diesjährigen München-Marathon einzig und allein darum, die damit verbundene Belastung zu erleben sowie am eigenen Körper zu spüren. Und ich kann sagen: ich habe genug gespürt, um das Erlebnis nicht wiederholen zu müssen.

Meine Marathonzeit möchte ich dennoch nicht verschweigen: mit 4:59:55 habe ich das Fünfstundenlimit unterschritten. Mit diesem Ergebnis kann ich als Lauftrainer gut leben!